Mit einer Lesung des Nürnberger Kommunalpolitikers Dr. Nasser Ahmed wurde am 21. Januar die Tradition des Kaminzimmerabends wiederbelebt.
Mit dem Kaminzimmerabend am 21. Januar in der Eben-Ezer-Kirche hat das Diakoniewerk eine durch Corona unterbrochene Tradition neu belebt. Erster Gast im vollbesetzten Raum war der Kommunalpolitiker Dr. Nasser Ahmed. Der Vorsitzende Nürnberger SPD las aus seinem Buch „Und dennoch stehe ich hier: Warum ich Nürnberg liebe“.
Die Veranstaltung stand im Zeichen der Kampagne „Mensch ist Mensch“ und knüpfte an die „Charta gegen Menschenfeindlichkeit und Rassismus“ an, die das Diakoniewerk vor fast fünf Jahren verabschiedet hat. Direktor Markus Jung erinnerte in seiner Begrüßung an Artikel 1 des Grundgesetzes:
„Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt. Das Deutsche Volk bekennt sich darum zu unverletzlichen und unveräußerlichen Menschenrechten als Grundlage jeder menschlichen Gemeinschaft, des Friedens und der Gerechtigkeit in der Welt.“
Auf diesen Worten fuße unsere „Charta gegen Menschenfeindlichkeit und Rassismus“, die sich das Diakoniewerk Martha-Maria vor fast fünf Jahren gegeben hat, betonte Jung. Daran knüpfte Ahmed mit seiner Lesung an.
Dem Rassismus Positives entgegenstellen
Sein Buch sei aus dem Impuls heraus entstanden, dem offenem Rassismus, der etwa in rechtsradikalen „Remigrationsplänen“ zum Ausdruck komme, etwas Positives entgegenzusetzen, erklärte der 37-Jährige. Der Politiker ist in Nürnberg als Sohn eritreischer Einwanderer geboren, hat Politikwissenschaften studiert und in diesem Fach auch promoviert. Mit seiner erfolgreichen Integrationsgeschichte geht er offensiv an die Öffentlichkeit und wirbt dafür, Nürnberg zu einer Stadt für alle Menschen zu machen – gleich welcher Nationalität, Herkunft, Hautfarbe, Geschlecht, Religion.
Integration durch Bildung
Ein entscheidender Faktor für gelungene Integration ist für ihn Bildung. Hier sieht er das gegenwärtige Bildungssystem nicht auf die vielen unterschiedlichen Bedürfnisse der Kinder vorbereitet. „In Nürnberg verlassen jedes Jahr sechs bis acht Prozent der Jugendlichen die Schule ohne Abschluss – darüber müssen wir sprechen.“ Ein Grund sei häufig ein fehlendes Umfeld, das die Kinder fördere. „Ich habe Glück gehabt“, sagte Ahmed. „Meine Eltern und eine hilfsbereite Nachbarin waren hinterher, dass ich meine Hausaufgaben gemacht und mich in der Schule angestrengt habe.“ Diese Unterstützung sei heute leider nicht mehr selbstverständlich. Deshalb brauche es Förderungsangebote schon in frühester Kindheit.
In der lebhaften Diskussion im Anschluss wurde deutlich, wie sehr solche Begegnungen Vorurteile abbauen und Brücken bauen können. Ahmeds Appell: „Wir müssen Räume schaffen, in denen unterschiedliche Menschen aufeinandertreffen. Diese Räume entstehen heute nicht mehr von selbst, sie müssen geschaffen werden.“ Hier seien deshalb alle Bürgerinnen und Bürger gefordert.






Zur Person
Dr. Ahmed ist seit 2014 Mitglied im Nürnberger Stadtrat und seit 2021 Vorsitzender der Nürnberger SPD. Seit Anfang 2023 ist er zudem stellvertretender Generalsekretär der bayerischen SPD. Er kandidiert für die Wahl zum Nürnberger Oberbürgermeister im März 2026.